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Assam 1992 und Ceylon 2008

1227311966008 "Tee ist der neue Wein", postulierte das Magazin der Süddeutschen Anfang November. Bobos, Hedonisten, Gourmets und Gourmands aller Länder, Kreti und Plethi stürzten sich in der ewigen Suche nach dem nächsten Hype nun auf Tee, nachdem Wein auf hohem Niveau solide etabliert und auch Kaffee nicht mehr bloß getrunken wird, sondern gegessen ist.

Der Zusammenhang zwischen Tee und Wein ist aus der Nähe betrachtet nicht weit hergeholt. Für "Jahrgangstee" wird zwar keine einheitliche Definition angeboten: Bei den einen bezeichnet der Begriff immer den neuesten. Andere Teehäuser listen "Pu Er 1992" oder "Jahrgänge zurück bis 1890". Gartentee entspricht einem Lagenwein, kommt daher aus einem Teegarten, der aufgrund von Böden und Kleinklima Besonderes hervorbringt.

SFTGFOP1 oder FBOPF stiften auch nicht mehr Verwirrung als VVSOP, DOCG, halbtrocken oder "Reserve" (ein Begriff, der hierzulande für Wein seit ewig verwendet wird und seit letztem April definiert ist). Assam, Ceylon, Darjeeling sind so etwas wie Bordeaux, Burgunder oder Moselwein, stehen sie doch für den "Generalstil" einer Region, in der es dann unzählige "Einzeltypen" gibt. Einmal völlig abgesehen von den gesundheitsfördernden Aspekten, die jedem Getränk irgendwann nachgesagt werden. Und über allem stehen Sommelièren und Sommeliers und blicken durch.

Grundsätzlich spricht nichts dagegen, sich auf der Suche nach Genuss mit Historie, Erzeugung, feinen und feinsten Qualitätsverästelungen von Wein, Bier, Tee, Kaffee oder was auch immer zu befassen. Im Idealfall lernt man zwischen marketingtechnisch aufgemotztem Zeug und dem zu unterscheiden, was einem tatsächlich guttut und Freude macht. Wie weit nun die Bereitschaft geht, auch Apothekerpreise pro Feinunze für edelsten Stoff zu bezahlen und wo die Schmerzgrenze angesetzt wird, entscheidet jeder individuell. Nur wenige sind bereit, für zehn Dekagramm "Second Flush Darjeeling" 64 Euro hinzublättern - aber auch 800 Euro für eine Flasche Mouton-Rothschild aus dem Edeljahr 2005.

Text (c) Artikel Assam 1992 und Ceylon 2008 von Luzia Schrampf (Der Standard / Rondo vom 28/11/2008)
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Über den Tellerrand

derstandard Zu 100 Prozent gegen jede Art von Ausgrenzung und Diskriminierung - Andrew Demmer: "Ein Tag muss mit einer guten Tasse Tee und dem STANDARD beginnen."

Andrew Demmer ist überrascht. Dass er einer der Ersten war, darüber hat er sich nie Gedanken gemacht. Aber 20 Jahre später darauf aufmerksam gemacht, lächelt der Gründer von Demmers Teehaus fast stolz: "Dass ich unter den ersten Abonnenten war, ist Zufall. Es war höchste Zeit, dass es in Österreich ein Blatt dieser Qualität und Ausrichtung gibt. Und ich bin bis heute jeden Tag froh, dass es ihn gibt." Obwohl es einen dunklen Tag in der Beziehung gab: "Großartig: Eine Zeitung ohne Sport. Als dann plötzlich ein Sportteil im Blatt war, war ich wirklich enttäuscht."

Freilich, räumt der Herr und Franchisegeber über neun Teehäuser in Österreich (und zwölf in Mittel- und Osteuropa) ein, sei der "Sündenfall" zu bewältigen: "Man kann ja drüberblättern; in der Früh habe ich kaum mehr als fünf Minuten Zeit, die Zeitung zu lesen. Ich hebe sie für den Abend auf. Manche Teile - etwa die wundervolle Beilage der New York Times - auch mehrere Tage."

"Ein Tag muss mit einer guten Tasse Tee und dem STANDARD beginnen." Obwohl er für Breaking News kein Blatt mehr braucht: "Die beziehe ich anderswo. Eine gute Zeitung ist dennoch unverzichtbar. Sie soll Hintergründe und Zusammenhänge erklären. Das tut der Standard hervorragend." Einmal Gedrucktes kann man nicht einfach ausschalten oder löschen.

Auch deshalb sei der Standard während der letzten 20 Jahre wichtiger und wichtiger geworden: "Diese zu 100 Prozent gerade Einstellung gegen jede Form von Diskriminierung und Ausgrenzung macht den Standard unverzichtbar. Er ist das liberale Medium, das weit über den Tellerrand hinausschaut - das hat Österreich vor 20 Jahren gebraucht." Das habe sich nicht geändert. "Gerade in einer Zeit, in der sich das offizielle Österreich in einer unvorstellbaren Art an das Kleinformat und alles, was damit zusammenhängt, anbiedert, müssen Medien wie der Standard das Gegengewicht darstellen."

Artikel von Thomas Rottenberg, DER STANDARD; Printausgabe, 18./19.10.2008. Siehe online Ausgabe unter www.derstandard.at
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