
Zuerst die gute Nachricht: Im Vergleich zu den vergangen Jahren können wir, bedingt durch optimale Erntebedingungen, mit einer höheren und qualitativ hochwertigeren Darjeeling-Ernte rechnen. Im letzten Quartal 2010 hat es reichlich geregnet, der Dezember war kalt und die letzten Wochen waren optimal warm und sonnig. Einem fantastischen und frühen Flugtee steht demzufolge nichts im Wege!
Nun zu den (sehr) schlechten Nachrichten: Die Gesamternte von Indien ist 2010 einiges niedriger ausgefallen. Darüber hinaus steigt die Homeconsumption, sowie die Abnahme aus anderen Ländern in Asien weiter an. Die Saison 2011 startet somit mit einem großen Defizit! Nicht zuletzt aufgrund der extremen Winter in weiten Teilen der westlichen Welt. Auch die Produktions- und Energiekosten sind deutlich gestiegen. Diese Faktoren üben einen großen Druck auf den Markt für Darjeeling-Tee aus!
Am härtesten trifft uns die aktuelle politische Lage in Darjeeling: Vor dem Hintergrund der vermutlich im Mai 2011 stattfindenden Wahlen zur Volksvertretung (Assembly) in Westbengal und der weltweit aufgeheizten Situation, hat die lokale Gorkha Janamukti Morcha Partei (GJM) bereits vor einigen Wochen zu Streiks und Protesten gegen die Teeindustrie ausgerufen. Die Forderungen nach einer Lohnerhöhung und besseren Arbeitsbedingungen unterstützten wir inhaltlich voll und ganz, nachdem es eine solche noch dazu seit recht langer Zeit nicht gegeben hat. Die harten Mitteln und gewaltvollen Proteste sind jedoch nicht zu befürworten. Um ihren Argumenten nun mehr Druck zu verleihen, hat die GJM seit dem 27. Februar eine Exportblockade für Tee verhängt. Nicht einmal Samples dürfen im Moment auf offiziellem Weg das Land verlassen!
Vorgestern gab es ein großes Meeting der CCPA (Consultative Committee of Plantations Association), eine Vertretung der Produzenten und der Darjeeling Tea Association (Untergruppe der Indian Tea Association) mit Vertretern der GJM - ohne Resultat. Nächstes Meeting soll in etwa einer Woche versuchen eine Lösung zu finden.
Die verwirrendste Information zum Schluss: Abschließen wollen wir an dieser Stellen noch unser ganzes Mitleid für die Menschen und Opfer dieser unglaublichen Katastrophe in Japan aussprechen, die schrecklicher Weise auch auf die aktuellen Entwicklungen in Darjeeling und den beschriebenen Trends im zweiten Absatz Auswirkungen haben könnte. Nachdem Japan nach Deutschland und GB der Drittgröße Abnehmer für Tee aus Darjeeling ist, befürchten viele Produzenten und Händler große Rückgänge und einen Preisverfall. Angeblich sind bereits viele japanische Importeure aus Ihren Kontrakten ausgestiegen oder haben Bestellungen storniert.
Wir können nur hoffen, dass sich die Situation in Japan stabilisiert und den Menschen rasch geholfen wird, und natürlich dass auch Darjeeling zur Ruhe kommt und einen Konsens zusammen bringt. Wir halten Sie nach Möglichkeit auf dem Laufenden!
Georg A. Demmer | 18. März 2011, 21:58