Uschi Edlinger-Fauler am 08. November 2007, 01:47

Nr. 6.) „Mein Tag des Tees“ von Uschi Edlinger-Fauler aus Friesach

Mein Tag des Tees!! Mein Tag des Tees beginnt mit…… ja genau, stimmt, sie haben recht – mit einer Tasse Demmer Tee natürlich! Wie denn auch sonst!

Trotzdem ist es heute ein ganz besonderer Tag, meine Gedanken hacken sich im Dunst ein der von meiner Porzellantasse aufsteigt und plötzlich bin ich wieder in Sri Lanka, dem ehemaligen Ceylon. Ich sitze in einem rumpelnden Minibus dessen Stoßdämpfer auch schon bessere Tage gesehen haben. Es ist herrlich warm, zum Glück ist die blöde Klimaanlage ausgefallen, schließlich hab ich viel Geld gezahlt um in die Tropen zu kommen, während die Heimat wieder einmal im Schnee versinkt. Autsch – auch das riesige Schlagloch trübt die Faszination nicht, die diese wunderschöne Insel ausstrahlt. Mein Reiseführer meint es wird nicht mehr lange dauern, dann werden die ersten Teesträucher den Weg ins Hochland säumen. Im Moment sind es aber Reisfelder die uns zum staunen bringen. Ich hätte nie gedacht, das es so ein strahlendes Hellgrün überhaupt gibt. Die Landschaft ist unglaublich friedlich und die Wasserbüffel mit ihren Kuhreihern auf dem Rücken, fühlen sich auch sichtlich wohl. Wow, da, die ersten Teesträucher, zuerst noch spärlich, doch schon bald stehen sie in Reih und Glied, alle in gleicher Pflückhöhe gehalten, das dichte Blattwerk in dunklem, satten Grün, nur die ersten 3 Blätter an der Spitze– genau die, die in unseren Teekannen landen – sind etwas heller. Je weiter wir ins Hochland kommen desto dichter wird dieser Sträucherteppich der die rote Erde bedeckt und die Hügel sanft umspielt. Ein paar Kinder in blitzweißen Schuluniformen lächeln uns winkend zu. Endlich bleiben wir stehen und ich darf das erste mal in meinem Leben den Ursprung meines Lieblingsgetränkes sehen und berühren. Die Blätter sind glatt und glänzend, man fühlt die Kraft die sie uns später schenken werden, das unglaubliche Grün umschmeichelt das Auge. Hier eine winzige, weiße Blüte mit zarten gelben Staubgefäßen……

„Hallo Schatzi! - Erde an Uschi!!!“ Mein Mann lächelt mich an, „nichts da mit Tagträumen, sonst kommst zu spät ins Büro!“ "Oh nein, schon wieder! Aber meinen Tee trinke ich trotzdem noch aus!!!"
Sarah antwortete am 09. November 2007, 20:16

Ich liebe...

Reisegeschichten/-beschreibungen. Ich finde dieses kurze Stück sehr gelungen. Es strahlt sofort seine ganz eigene Anziehungskraft aus und bevor sich der Sog in einer übermächtigen Sehnsucht bei mir niederschlagen kann - ist man wieder zurück geholt, und dennoch bleibt der Tee als das entscheidende Verbindungsglied. Super! So kann Realität von ganz allein literarisch wirken. Die Motive von Ferne und Nähe, die bei Reiseschilderungen eine so faszinierende Dynamik entwickeln, kommen hier gekonnt zur Geltung. Danke, toll!

Name

Url

Meine Eingaben merken?

Titel:

Text:

 

footer_below Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...